Die ökonomische Stellung einer Erbin – nicht unproblematisch für eine mehr links orientierte Journalistin – erlaubt Hedwig, sich ihre Themen auszusuchen und genug Zeit in die Recherchen zu stecken. Sie wurde 1978 in Genf geboren. Als Letzte einer Familie von Shoa-Flüchtlingen erlebte sie eine unbeheimatete Kindheit. Die Folgen von Vernichtung und Vertreibung bekam sie selbst noch als Kleinkind der 3. Generation zu spüren durch die Unrast und Ängste des Vaters. Mit 4 Jahren verlor sie ihre Eltern bei einem Autounfall und Josef Kaufinger, ein Freund des Vaters, übernahm ihre Vormundschaft. Das Verhältnis zu ihrem Vormund ist äußerst distanziert, Kaufingers Schwester Odita jedoch bildet zusammen mit Czák, Martha und Lili Hedwigs Ersatzfamilie. Die Traumatisierung des Vaters, die fehlende familiäre Identität und die Undurchsichtigkeit des Unfalls der Eltern bescherten Hedwig eine wackelige Psyche, um deren Stabilisierung sie fortwährend ringt. Sie ist zu einer Suchenden geworden, die mit ihrer Arbeit in die tieferen Schichten von gesellschaftlichen Zusammenhängen und rivalisierenden sozialen Beziehungen bohrt. Noch sieht sie nicht, dass die eigene Geschichte ihre größte Story werden wird.